Seinen
eigentlichen Ruhm erlangte er jedoch als Verfasser der Robaiyat,
einer Sammlung von Sinnsprüchen, die er meisterhaft beherrschte.
Er war ein ungewöhnlich origineller Dichter, der seine skeptische
mystische Lebens-philosophie mit einfachen Epigrammen zu vermitteln
wusste.
Das
Roba'i (pl. Robaiyat) besteht nur aus vier Zeilen. Jedes Robai
ist ein eigenes, selbständiges Gedicht. Sein Charakteristikum
ist das Reimspiel: Die erste, zweite und vierte Zeile enden im
selben Reimklang, während die dritte reimlos bleibt.
Der englische Dichter und Übersetzer Edward FitzGerald war
der erste, der Khayyams Vierzeiler der westlichen Welt im Jahr
1859 vorstellte. Die Verse wurden in England daraufhin bekannter
als jede andere Dichtung weltlicher Prägung aus dem orientalischen
Raum. Omar wurde in Europa und Amerika zum berühmtesten aller
östlichen Dichter. Das Buch 'Rubáiyát of Omar
Khayyám' sei, so die Literatur über FitzGerald, das
nach der Bibel im angelsächsischen Sprachraum meist verbreitete
Buch.
Über Omars privates, inneres Leben ist wenig bekannt. Zu
seiner Zeit stand Omar jedoch in dem Ruf ein Weiser zu sein. Es
scheint sicher, dass Omar ein grosser Mystiker war. Mystiker verbargen
ihr spirituelles Leben bekanntlich vor weltlichen Menschen und
oberflächlichen, orthodox-religiösen Eiferern. Durch
Verschwiegenheit und die Gewohnheit, tiefe Wahrheiten hinter einem
Schleier exotischer Symbolik zu verbergen, schützten sie
sich vor Verfolgung, die ihnen wegen ihrer unorthodoxen Ansichten
drohte. Omar khayyam war wie sie weitherzig, vollständig
frei von religiösem Dogmatismus.
Den
religiösen wie den wissenschaftlichen Dogmatismus hat Omar
auch in seinen wissenschaftlichen Arbeiten kritisiert. In der
Einleitung seines Werks über die Algebra schreibt er bezüglich
der heuchlerischen und bösartigen Intrigen mancher seiner
Zeitgenossen u.a. folgende Zeilen: "Die meisten von denen,
welche heutzutage für Gelehrte gelten, verbergen die Wahrheit
durch die Lüge und kommen nicht über die Schranken eines
bloßen Scheingelehrtentums hinaus, indem sie das, was sie
an Kenntnissen besitzen, lediglich materiellen und niedrigen Zwecken
dienlich machen. Und wenn sie einem Mann begegnen, der sich wirklich
durch sein Streben nach der Wahrheit und durch seine Liebe zur
Wahrhaftigkeit auszeichnet, der Eitelkeit und Lüge von sich
weist und den falschen Schein und die Augenverblendung meidet,
dann machen sie ihn zum Gegenstande ihrer Verachtung."
Omars
Theologie war kein durchdachtes System, sie umfasste sowohl alle
Religionen wie auch keine Religion- das heisst, obwohl er Gott
liebte, gehörte er keiner formalen Religion an.
Der
Wein als Metapher hat in der sufischen Symbolik die Bedeutung
einer ekstatischen Erhebung zu Gott. Es ist fraglich, ob Omar
etwas mit Sufismus zu tun hatte, da er teilweise gegen diese dichtete.
Eine Gemeinsamkeit zwischen Sufis und Omars Mystik zu suchen,
ist von vielen Gelehrten angesprochen worden, viele halten Khayyam
für einen Sufi, einen mystischen Sufi des Islams. Diese Annahme
beruhrt wohl daher, da man in der islamischen Welt nur zwei Strömungen
scheinbar ausgemacht hat, einmal die Orthodoxen und einmal die
Sufis. Es ist vielleicht an der Zeit sich zu fragen, ob man nicht
eine dritte Strömung jener Zeit akzeptieren soll, die gegen
Orthodoxie war aber auch von hoher Mysik erfüllt war, die
aber nicht deswegen unbedingt dem Sufismus zugeordnet werden muss.
Fest
steht jedenfalls, die Freiheit des Denkens und des Forschens war
für Omar von großer Bedeutung. Sein Weintrunk galt
deshalb in erster Linie als Sinnbild für freies Denken.
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